Daniel Romano – Modern Pressure (2017)

Daniel Romano aus Ontario ist eine Art Phantom in der kanadischen Folkrock-Szene. Mit seinem siebten Album könnte er es endlich schaffen, sich auch international zu etablieren.

ModernPressure

VÖ: 19.5.2017 auf New West
Klingt fast ein bisschen wie: The Band, The Faces, The Weakerthans
Stichworte: Abends / Sonne / Bier / Freunde

Als Multi-Instrumentalist hat man es nicht leicht, denn musikalische Ideen gerecht zu verteilen ist oft ein Kampf, der ja auch in Bands immer wieder ausgefochten werden muss. Daniel Romano hat auf seinen ersten sechs Alben im Bereich Arrangement seinen Talenten als Instrumentalist hier und da zu viel Zugeständnisse gemacht und damit immer wieder von seinen Qualitäten als Songwriter abgelenkt. Auf Modern Pressure zeigt er aber schon in den ersten paar Liedern eindrucksvoll, dass er auch songdienlich agieren kann, ohne dabei gleichförmig und eintönig zu klingen.

Und so rockt er sich zu 90% an der Gitarre durch ein Album, das aufgrund seiner unverbrauchten Frische klingt wie ein sehr gutes Debütalbum von einer Band, die gerade in der Garage den Schalter umgelegt hat und plötzlich, ohne selbst zu verstehen warum, mit traumwandlerischer Sicherheit und Spielfreude zusammenkommt. Und das ist nicht die schlechteste Visitenkarte für einen Mittdreißiger, der schon einige Alben und Tours auf dem Buckel hat, ohne wirklich den Durchbruch zu schaffen.

Aldous Harding – Party (2017)

Aldous Harding aus Neuseeland hat auf ihrem zweiten Album einen Riesensprung gemacht. Ihre minimalistisch arrangierten Folksongs sind nicht nur extrem leise und dunkel, sondern auch dynamisch und voller Leben.

Party

VÖ: 19.5.2017 auf 4AD
Klingt fast ein bisschen wie: Nico, Weyes Blood, Andy Shauf
Stichworte: Nachts / Regen / Rotwein / Alleine

Neuseeland ist immer noch ein bisschen das unentdeckte Land der englischsprachigen Popwelt. Aldous Harding wird das nicht alleine ändern können, aber der berechtigte Hype um ihr zweites Album Party ist zumindest mal wieder so etwas wie ein Lebenszeichen. Während ihr selbstbetiteltes Debüt 2015 noch unter dem etwas gekünstelten Etikett „Gothic Folk“ gelitten hatte, ist ihr mit Songs wie Imagining My Man der Übergang zu einer selbstbewussten Künstlerpersönlichkeit gelungen.

Wäre da nicht diese glasklare, mikroskopisch genaue Produktion, könnte diese Musik direkt aus der dunkleren Hälfte der britischen Folkszene aus den 60ern kommen. Ein guter soundtechnischer Kniff, um übertriebene Retromanie zu vermeiden und nicht nur den besonderen Charakter von Aldous Hardings Stimme und Phrasierung, sondern auch die extrem detailverliebte Kammer-Instrumentierung und die daraus resultierende Intimität herauszuarbeiten. So gelingt ein Album, dass den anhaltenden Trend zu altmodischer Hallsuppe und Lo-Fi mutig links liegen lässt und trotzdem oder gerade deshalb mit seiner zeitlosen Schönheit aus der Masse der Veröffentlichungen in diesem Bereich herausragt.

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Doug Tuttle – Peace Potato (2017)

Bisher pflegte Doug Tuttle einen sehr zugespitzten psychedelischen Sound. Auf seinem dritten Album öffnet er sich für verschiedene Spielarten amerikanischer Rockmusik und landet damit so manchen Volltreffer.

DougTuttle

VÖ: 5.5.2017 auf Trouble in Mind
Klingt fast ein bisschen wie: Tom Petty / Eels / Donovan
Stichworte: Nachmittag / Sonne / Kaffee / Alleine

Doug Tuttle ist als Sänger und Mastermind der Band Mmoss aus New Hampshire bekannt geworden, die man der sehr lebendigen Psychedelic-Szene Neuenglands zuordnen kann. Als Solist hat er bislang zwei mäßig erfolgreiche Alben veröffentlicht, auf denen er mehr oder weniger direkt an das Erfolgsrezept seiner Band anknüpfen wollte. Mit Peace Potato nimmt der langhaarige Spaßvogel jetzt eine überfällige Abzweigung und versucht sich am sogenannten Heartland Rock der 80er. Diese Stilrichtung war eine Gegenbewegung zum aufkommenden Plastikpop und orientierte sich stark an klassischen Vorbildern aus den 60er und 70er Jahren. Peace of Potato ist nicht zuletzt deshalb ein hörenswertes Album, weil Doug Tuttle auf sehr abwechslungsreiche Weise mit diesen historischen Schichten spielt und mit fast jedem Song neue Assoziationen weckt.

The Deslondes – The Deslondes (2015)

Als The Deslondes 2015 ihr erstes Album veröffentlichten, hatten die Mitglieder sowohl musikalisch als auch menschlich schon einiges erlebt. Das Ergebnis sind handwerklich beeindruckende Songs zwischen Country und Soul, die aus dem tiefsten Inneren der Musiker und des ländlichen Amerikas kommen.

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VÖ: 9.6.2015 auf New West
Klingt fast ein bisschen wie: Hank Williams, The Gourds, Huey Smith
Passt gut zu: Lampions, Grillparty, Bourbon

New Orleans ist nicht gerade als Country-Mekka bekannt. Solche Verallgemeinerungen sind aber immer mit Vorsicht zu genießen, denn erstens haben Leute wie Huey „Piano“ Smith in der Stadt schon immer „weiße“ und „schwarze“ Musik vermischt. Und zweitens soll es ja auch Dönerläden geben, die eine ganz anständige Pizza machen. In der heruntergekommenen Deslonde Street haben sich jedenfalls ein paar echte Nerds zusammengefunden, die bislang mit soliden, aber weitgehend erfolglosen Projekten wie The Tumbleweeds ihre Lehrjahre verbracht haben. Dabei haben sie offensichtlich alle wahnsinnig viel Musik gehört und gemacht, denn ihr Debüt in der neuen Konstellation klingt, als hätten sich die fünf seit den 50ern als Straßenmusikanten durchgeschlagen und dabei nicht nur ganz viel Staub gefressen und Scheiße erlebt, sondern auch alle Spielweisen zwischen Roots Soul und Nashville Country von der Pike auf gelernt, umgerührt und in einen unverkennbar eigenen Bandsound gegossen. Ein Album wie eine enzyklopädische Abhandlung über die unendlichen Weiten der Musik des ländlichen Amerikas, über alle vermeintlichen ethnischen oder stilistischen Barrieren hinweg.

Das zweite Album „Hurry Home“ erscheint am 23.6.2017 auf New West!

Michael Nau – Mowing (2016)

Mit Projekten wie Page France oder Cotton Jones hat Michael Nau schon einige Fußspuren in der amerikanischen Folkszene hinterlassen, ohne sich jemals in den Vordergrund zu drängeln. Auch auf dem ersten Album unter seinem bürgerlichen Namen lässt er vor allem die Musik sprechen, die wie immer einiges zu sagen hat.

Mowing

VÖ: 19.2.2016 auf Suicide Squeeze

Klingt fast ein bisschen wie: Cotton Jones, Paul McCartney, Gram Parsons
Passt gut zu: Gartenstuhl, Zeitungspapier, Kaffee

Michael Nau könnte man als musikalisches Phantom bezeichnen, denn er taucht immer wieder mit vielversprechenden Projekten auf und verschwindet dann wieder, bevor eine breitere Öffentlichkeit auf seine Qualitäten aufmerksam werden kann. So geschehen mit seiner Band Page France, die mit ihrem psychedelischen Indie Folk in den USA viele heute sehr erfolgreiche Musiker stark beeinflusst hat, selbst aber nie über den Status eines Geheimtipps hinauskam. Und so war es auch mit seinem Soloprojekt Cotton Jones, das 2009 und 2010 für zwei großartige, aber damals völlig aus der Zeit gefallene Alben gut war und dann einfach wieder verschwand. Nun soll alles anders werden, und für den nächsten Anlauf hat er sich dazu entschieden, endlich seinen bürgerlichen Namen zu verwenden. Das passt, denn die Musik wirkt noch persönlicher und weniger stilisiert als bisher, ohne allerdings ihre atmosphärischen Qualitäten einzubüßen. Wer die Augen schließt und sich auf die Platte einlässt, sitzt plötzlich an einem Lagerfeuer und bekommt von einem alten Freund Lieder vorgespielt, die allesamt vergessene Klassiker aus längst vergangenen Zeiten sein könnten.

Das neue Album „Some Twist“ erscheint am 16.6.2017 auf Suicide Squeeze!

Big Thief – Masterpiece (2016)

Adrienne Lenker hat das Debütalbum ihrer Band als Meisterwerk betitelt und sich damit nicht nur Freunde gemacht. Mit ihrem krachendem Folkrock, bezaubernden Songs und extrem intensiven Texten wird die Platte ihrem Titel aber durchaus gerecht.

Masterpiece

VÖ: 27.5.2016 auf Saddle Creek Records
Klingt fast ein bisschen wie: Angel Olson, M. Ward, Bruce Springsteen
Passt gut zu: Vollmond, Freunde, Bier

Viel wurde darüber diskutiert, ob eine Band ihr Debütalbum Masterpiece nennen darf. Das ist eigentlich schade, denn dieses Album bietet neben einer Menge unglaublich guter Musik auch eine Menge deutlich ergiebigere Gesprächsthemen. Zum Beispiel, dass die Popmusik wie die Gesellschaft allgemein verlernt hat, sich mit den elementaren, aber unendlich tiefen Emotionen zu befassen, die man bekommt, wenn man sich mit den existenziellen Fragen des Seins konfrontiert. Wenn man darüber nachdenkt, was man auf dieser Welt zu suchen hat, wer die eigenen Eltern eigentlich sind, welche Ängste und Abgründe sich hinter unserer Sucht nach Liebe verbergen und viele andere Dinge. Adrienne Lenker würde nie auf die Idee kommen, einen Song über etwas zu schreiben, das nicht diese Intensität besitzt. Das könnte sehr anstrengend und prätentiös sein, aber ihre Songs sind ebenso wie das Spiel ihrer Band so unfassbar gut und ehrlich gefühlt, dass man sich eigentlich einfach nur mitreißen lassen will, auch wenn’s manchmal wehtut. Wer so ein Album macht, darf ihm gerne jeden beliebigen Namen geben, Masterpiece ist in diesem Fall jedenfalls keine Anmaßung.

Das neue Album „Capacity“ erscheint am 9.6.2017 auf Saddle Creek Records!

TOPS – Picture You Staring (2014)

Das zweite Album von TOPS ist auf den ersten Blick fast zu schön, um wahr zu sein. Aber wer gut aufpasst, hört zwischen den Zeilen eine Band, die eine Menge zu sagen hat und in ihrem detailreichen Spiel eine ganz eigene Ausdrucksweise findet.

TOPS

VÖ: 2.9.2014 auf Arbutus
Klingt fast ein bisschen wie: Fleetwood Mac, Tennis, Widowspeak
Passt gut zu: Sommerurlaub, Gartenparty, Obstkuchen

Es ist schwer zu beschreiben, was eigentlich das besondere an der Musik von TOPS aus Montreal ist, denn ihre Qualitäten liegen in oft vernachlässigten Feinheiten des Songwritings, des Arrangements und der Stilisierung. Mit ihrer Liebe zum Detail sind die Mädels und Jungs aber eine Ausnahmeerscheinung, die jedem interessierten Musikhörer sofort auffallen dürfte. Kein Wunder, dass die Veröffentlichung ihres zweiten Albums 2014 für einiges Aufsehen sorgte, denn reine Popmusik ohne elektronisches Geplänkel war zu diesem Zeitpunkt fast eine Art Rebellion. Aber zwei virtuose, aber nie in den Vordergrund drängelnde Gitarren und der ein oder andere Vintage-Synthie reichen eben aus, um beim inzwischen modisch gewordenen Retro-Bingo mit den Stilikonen der späten 70er und frühen 80er eine gute Figur zu machen, man muss nur wissen wie es geht. TOPS spielen auf der Klaviatur der Popmusikgeschichte wie ein unaufgeregter Jazzpianist, und kurz bevor es zu klebrig wird, kriegen sie immer sympathisch die Kurve in Richtung Weirdness. Ein zeitloses Album, das vielen Hörern und Musikern mal wieder gezeigt hat, dass sich Gefälligkeit und Niveau auch in der Popmusik nicht ausschließen müssen.

Das neue Album „Sugar at the Gate“ erscheint am 2.6.2017 auf Arbutus!

Wooden Wand – Clipper Ship (2017)

James Jackson Toth hat jahrelang mit verschiedenen Besetzungen experimentiert, bevor sein Folk-Projekt Wooden Wand 2014 so langsam Gestalt annahm. Nun hat er endlich einen Weg gefunden, seine unbändige Kreativität in den Dienst des Albumformats zu stellen.

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VÖ: 5.5.2017 auf Three Lobed
Klingt fast ein bisschen wie: Neil Young, Iron & Wine, Adam Torres
Passt gut zu: Abendrot, Schaukelstuhl, Pfeifenrauch

Wooden Wand ist ein Alptraum für jeden Musikjournalisten, denn die ständigen Umbenennungen, Besetzungswechsel und Kollaborationen machen es fast unmöglich, lesbar über die Projekthistorie zu schreiben. Mastermind James Jackson Toth bevorzugte es eben jahrelang, in Jazzer-Manier ein paar Musiker zu einer Session einzuladen und die improvisierten Ergebnisse zur großen Freude der Fans von Freak Folk und New Weird America in relativ kurzen Zeitabständen als Platte zu veröffentlichen. Ein Konzept, dass er mit dem deutlich strukturierteren 2014er Album Farmer’s Corner schon in Frage stellte und nun komplett über den Haufen warf.

Auf Clipper Ship geht der New Yorker nämlich den entscheidenden Schritt und legt seine bisher beste Veröffentlichung vor, nicht zuletzt dank drei Jahre harter Arbeit, viel Geduld und einem Gespür für den besonderen Reifungsprozess, den musikalisches Material oft erst entwickeln kann, wenn man es eine Weile ruhen lässt. Vor allem aber wird die fantastische Akustikgitarrenarbeit nicht wie früher von vermeintlich originellen Instrumenten und Schlagwerk zugekleistert, sondern nur punktuell mit Klangflächen im Hintergrund kontrastiert. Das Ergebnis klingt wahnsinnig rund und bringt endlich das große lyrische Talent Toths zum Vorschein, dessen Songs in dieser Form auch mit Klassikern des akustischen Folkrocks der 70er Jahre mithalten können. Ein Album, das auf ansteckende Weise in sich selbst ruht und eine urgemütliche Stimmung verbreitet.

Hoops – Routines (2017)

Mit einem cleveren Debüt auf dem Qualitätslabel Fat Possum schaffen Hoops den Sprung aus dem verschlafenen Indiana in die große, weite Musikwelt. Ihr verträumter Indie-Pop ist zwar keine bahnbrechende Neuerfindung, aber durchaus ein Beitrag zur Vielfalt eines beliebten Genres.

Hoops

VÖ: 5.5.2017 auf Fat Possum
Klingt fast ein bisschen wie: Tops, Tennis, The db’s
Passt gut zu: Autoradio, Mittagshitze, Coladose

Wer sein erstes Album Routines nennt, beweist schon mal eine Menge Humor. Und tatsächlich hat diese Musik etwas im positiven Sinne routiniertes, nämlich gut abgehangenes. Die Jungs aus einer Kleinstadt aus Indiana wissen genau, was sie wollen, und zwar gut ausgeschlafenen Dream-Pop ohne unnötige psychedelische Umwege. Akribisch haben sie an eingängigen, aber keineswegs formelhaften Songs gearbeitet, die durch den exzessiven Einsatz von Filtern, Hall und Bandsättigung aus ihrer eigentlich sehr poppigen Grundstimmung herausproduziert wurden. Die Gitarrenarbeit ist abwechslungsreich, stellenweise fast beängstigend clever und verführt die ganze Band zu einem mühelosen, aber unwiderstehlichen Groove. So etwas kann auf Dauer auch einseitig und verstockt werden, aber überraschende Tempowechsel, absichtlich verpasste Einsätze und haarsträubende Fade-Outs lockern die Sache immer wieder auf. Das Ergebnis klingt wie eine gefundene Kassette aus einem Amischlitten der 80er, auf dem die genialen Demos einer sagenhaften College-Band zusammengeschnitten wurden. Ein vielversprechendes Debüt, das einfach nur Spaß macht und so manchen Sommertag gelungen untermalen wird.

Mac DeMarco – This Old Dog (2017)

2014 gelang dem Kanadier Mac DeMarco mit genialen Songs und einem ganz eigenen, schrammeligen Sound der große Durchbruch. Auf seinem neuen Album beweist er endgültig, dass er zu den besten und variabelsten Songwritern unserer Zeit gehört und dabei weiterhin unverwechselbar bleibt.

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VÖ: 5.5.2017 auf Captured Tracks
Klingt fast ein bisschen wie: Homeshake, John Andrews, Travis Bretzer
Passt gut zu: Morgensonne, Home Office, Filterkaffee

Kaum zu glauben, dass sein epochales Breakthrough-Album Salad Days schon drei Jahre alt ist, so frisch und unverbraucht hört es sich bis heute an. Und normalerweise finden derartige Erfolge schnell eine Reihe Nachahmer, die viele Ideen bis zum geht nicht mehr durchkauen. Aber irgendwie hat sich niemand an Mac DeMarcos ausgebleichten, verspulten Songwriter-Pop herangetraut. Kein Wunder, denn sein spezifischer Tonfall zwischen messerscharf durchdachtem Songwriting und gekonnt schrammeliger Ausführung ist gar nicht so leicht zu treffen. Und so muss der inzwischen ins sonnige LA weitergezogene Kanadier selbst dafür sorgen, dass sein letztes Album als Referenzwerk einer Musikrichtung abgelöst wird.

So etwas ist wahrlich keine leichte Herausforderung, und viele große Künstler sind immer wieder daran gescheitert. Manche versuchten vergeblich, unmittelbar anzuknüpfen an das bewährte Erfolgsmodell, andere erlitten Schiffbruch beim Versuch, sich neu zu erfinden. Nicht so Mac DeMarco, der in den letzten drei Jahren nicht nur ununterbrochen auf Tour war, sondern nebenbei auch als Künstler und Mensch merklich gereift ist und vor allem eine Menge zu erzählen hat. Über seine Familie und Freunde, über sich und die große Einsamkeit, aber auch über die kleinen und großen Freuden, die einem begegnen, wenn man mit offenen Augen durch diese verrückte Welt geht. Das hat etwas unbedarftes, die entwaffnende Ehrlichkeit eines kleinen Jungen, der von zuhause ausgerissen ist und bei aller Naivität eine in sich stimmige Sicht auf die Dinge offenbart.

Musikalisch wurde die Welt auf dieser Platte nicht neu erfunden, die Weiterentwicklung des typischen DeMarco-Sounds ist schließlich immer linear und nie schrittweise verlaufen. Der neue Blickwinkel sorgt aber automatisch für neue Klänge, denn wie schon auf Salad Days zeichnet sich das Songwriting dadurch aus, dass jeder Song ein eigenes passendes musikalisches Kleid bekommt, wie einen kleinen Soundtrack zu einer Kurzgeschichte. Tendenzen lassen sich doch festmachen, wie zum Beispiel der unverkennbare Einfluss des jahrelangen Musizierens mit Peter Sagar von Homeshake, dessen schräge Akkorde und eiernde Synthies das Klangspektrum ganz natürlich ergänzen. Und so gelingt mit This Old Dog ein unaufgeregtes Meisterwerk, das Mac DeMarcos exponierte Stellung als einer der wichtigsten Songwriter unserer Zeit unterstreicht und sowohl Fans als auch Neuinteressierten noch lange viel Vergnügen auf höchstem Niveau bereiten wird.