Okkervil River – In the rainbow rain

Es ist total nachvollziehbar, wenn Fans von Okkervil River dieses Album nach ein paar Takten abwürgen und die Band für immer verfluchen. Allerdings verpassen sie dann eine unglaublich facettenreiche Platte, die weit über den nostalgischen Folkrock des bisherigen Schaffens der Texaner hinausgeht.

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27.4.2018 / ATO Records

Am Ende des ersten Songs zitiert die Leadgitarre minutenlang „Waterloo Sunset“ von The Kinks über einen Loop aus euphorischem Yacht Rock und flirrenden Synthies. Diese Momentaufnahme reicht aus, um die grenzenlose Spielfreude zu charakterisieren, die Okkervil River anscheinend bei den Aufnahmen zu ihrem aktuellen Album überfallen hat. Denn bisher war die Musik der Gruppe aus Austin zwar immer schön anzuhören, aber meistens eher voraussehbar als überraschend. Darunter wird jetzt ein deutlich hörbarer Schlussstrich gezogen, Wiedererkennungswert bieten auf „In the rainbow rain“ nur noch die Stimme von Will Sheff, die ungewohnte Hochglanzproduktion und die Tatsache, dass jeder Song auf seine ganz eigene Art Hitpotential hat.

Deshalb fällt es auch schwer, potentiellen Zuhörern konkret zu vermitteln, was sie zu erwarten haben. Vergleiche zu Giganten wie Pink Floyd, David Bowie, Todd Rundgren oder womöglich sogar Madonna (!) könnten im Hinblick auf bestimmte Aspekte in die richtige Richtung deuten, verbieten sich aber sowieso. Bands wie The War on Drugs, Paper Kites, Tame Impala oder My Morning Jacket haben ähnlich wenig Berührungsängste mit dem, was man als zeitlosen Mainstream bezeichnen könnte, legen sich aber stilistisch viel eindeutiger fest. Was bleibt, ist eine gewisse Ratlosigkeit und gleichzeitig ein ungläubiges Staunen über ein vollkommen unübersichtliches, aber irgendwie doch kohärentes Feuerwerk aus musikalischen Ideen, von denen die meisten erfolgreich auf dem schmalen Grat zwischen popkultureller Genialität und Kitsch ausgetragen werden.

Danach könnte man es mal mit diesen Platten probieren:
The War on Drugs – A Deeper Understanding (2017)
Dick Stusso – In Heaven
Fancey – Love Mirage (2017)

2 Kommentare zu „Okkervil River – In the rainbow rain“

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