Sarah Bethe Nelson – Weird Glow (2019)

Ein sonderbares Schimmern: Sarah Bethe Nelsons drittes Album führt uns mit großen Melodien in die Irre und durch nächtliche Traumwelten zurück in die Nähe von vagen Lichtquellen.

Burger Records / 28. Juni 2019

Als Sarah Bethe Nelson 2015 endlich ihr erstes Solo-Album veröffentlichte, war sie in der Indie-Szene Kaliforniens schon lange eine feste Größe. 2004 war sie etwa an der Gründung der Band Prairiedog beteiligt, mit der sie nach San Francisco umsiedelte und bis 2011 mit mehreren bemerkenswerten Platten auf Tour war. Ihr sehr persönliches Debüt Fast Moving Clouds basierte auf ihren Erfahrungen als Barkeeper, die zweite Platte Oh, Evolution entstand deutlich hörbar aus dem Zusammenspiel mit ihrer Band auf Tour. Für Weird Glow hat sich Sarah Bethe Nelson mit Gitarrist und Produzent Rusty Miller eingeschlossen, was zu einem konzeptionell und inhaltlich vielschichtigerem Ansatz geführt hat.

Anklänge an Proto-Punk oder minimalistisch herumeiernden Art Pop à la Velvet Underground sind zahlreich, Elemente aus entlegeneren Assoziationsräumen wie Country Noir und Desert Folk unterstützen klanglich den filmhaften Charakter. Das gilt ganz besonders für den monumentalen letzten Song 8th and Hooper, der drei bescheidene Akkorde mithilfe von viel Gitarrenfeedback und einer fast endlosen Steigerungskurve in eine schwindelerregende Höhe schraubt. Insgesamt gelingt Sarah Bethe Nelson auf Albumlänge trotz der stilistischen Bandbreite ein fast hermetisch abgeschlossenes Werk, das wie vom Titel versprochen an allen Ecken und Enden ein sonderbares Schimmern verströmt. Nichts ist so wie es scheint, und am Ende blickt man ratlos bis verzaubert zurück und hört die Platte sicherheitshalber mindestens noch ein mal von vorne.

Nebenan im Plattenregal:
Big Search – Slow Fascination (2019)
Bonny Doon – Long Wave (2018)
Dick Stusso – In Heaven (2018)

 

The Sufis – After Hours: Schräger Indie Pop für späte Stunden

The Sufis aus Nashville waren bisher eher für ausufernden Garage-Pop und psychedelische Experimente bekannt. Mit dem Umzug nach Brooklyn werden die Songs nicht nur kürzer, sondern auch zugänglicher.

 

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Erscheinungstermin: 12.1.2018 / Label: Burger Records

Weniger Geschrammel, mehr Vintage Keyboards wie Wurlitzer und analoge Synthies. So oder so ähnlich könnte die Devise gewesen sein, als The Sufis nach Brooklyn gezogen sind, um ihr drittes Album aufzunehmen. Und die Erweiterung des Instrumentariums wirkt sich natürlich auch auf die musikalische Gestaltung aus. Der Retro-Fokus bewegt sich merklich von den 60s auf  die 70s, von undergroundigem Garagenrock in Richtung radiokompatiblen Popsongs.

Wie zu erwarten, lassen es sich The Sufis aber auch auf diesem Album nicht nehmen, den ein oder anderen echten Schocker unterzubringen. Beim gruseligen „Watch out“ etwa lassen sie mal wieder so richtig die Sau raus und strapazieren unsere Ohren aufs Schärfste. Aber keine Sorge, nach eineinhalb Minuten ist der Spuk wieder vorbei. Generell erreicht kaum eine Nummer die Dreiminuten-Marke und insgesamt ist das Ganze gerade mal eine halbe Stunde lang. Aber bekanntlich ist ja weniger auch manchmal mehr, und so gelingt The Sufis ihr bislang gehaltvollstes Album und außerdem eines, das vielen Hörern richtig viel Spaß machen wird.

Weirdos, die zu diesem Album nachts ihre Paisley-Hemden bügeln, haben auch bei diesen Platten die Lavalampe eingeschaltet:
OCS – Memory of a cut off head: Verspultes Folk-Vergnügen
Destroyer – Ken: Erinnerungen an eine melancholische Jugend in den frühen 80ern
Art Feynman – Blast Off Through The Wicker: Nachts auf der Reggae-Spaceroad