Mac DeMarco – This Old Dog (2017)

2014 gelang dem Kanadier Mac DeMarco mit genialen Songs und einem ganz eigenen, schrammeligen Sound der große Durchbruch. Auf seinem neuen Album beweist er endgültig, dass er zu den besten und variabelsten Songwritern unserer Zeit gehört und dabei weiterhin unverwechselbar bleibt.

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VÖ: 5.5.2017 auf Captured Tracks
Klingt fast ein bisschen wie: Homeshake, John Andrews, Travis Bretzer
Passt gut zu: Morgensonne, Home Office, Filterkaffee

Kaum zu glauben, dass sein epochales Breakthrough-Album Salad Days schon drei Jahre alt ist, so frisch und unverbraucht hört es sich bis heute an. Und normalerweise finden derartige Erfolge schnell eine Reihe Nachahmer, die viele Ideen bis zum geht nicht mehr durchkauen. Aber irgendwie hat sich niemand an Mac DeMarcos ausgebleichten, verspulten Songwriter-Pop herangetraut. Kein Wunder, denn sein spezifischer Tonfall zwischen messerscharf durchdachtem Songwriting und gekonnt schrammeliger Ausführung ist gar nicht so leicht zu treffen. Und so muss der inzwischen ins sonnige LA weitergezogene Kanadier selbst dafür sorgen, dass sein letztes Album als Referenzwerk einer Musikrichtung abgelöst wird.

So etwas ist wahrlich keine leichte Herausforderung, und viele große Künstler sind immer wieder daran gescheitert. Manche versuchten vergeblich, unmittelbar anzuknüpfen an das bewährte Erfolgsmodell, andere erlitten Schiffbruch beim Versuch, sich neu zu erfinden. Nicht so Mac DeMarco, der in den letzten drei Jahren nicht nur ununterbrochen auf Tour war, sondern nebenbei auch als Künstler und Mensch merklich gereift ist und vor allem eine Menge zu erzählen hat. Über seine Familie und Freunde, über sich und die große Einsamkeit, aber auch über die kleinen und großen Freuden, die einem begegnen, wenn man mit offenen Augen durch diese verrückte Welt geht. Das hat etwas unbedarftes, die entwaffnende Ehrlichkeit eines kleinen Jungen, der von zuhause ausgerissen ist und bei aller Naivität eine in sich stimmige Sicht auf die Dinge offenbart.

Musikalisch wurde die Welt auf dieser Platte nicht neu erfunden, die Weiterentwicklung des typischen DeMarco-Sounds ist schließlich immer linear und nie schrittweise verlaufen. Der neue Blickwinkel sorgt aber automatisch für neue Klänge, denn wie schon auf Salad Days zeichnet sich das Songwriting dadurch aus, dass jeder Song ein eigenes passendes musikalisches Kleid bekommt, wie einen kleinen Soundtrack zu einer Kurzgeschichte. Tendenzen lassen sich doch festmachen, wie zum Beispiel der unverkennbare Einfluss des jahrelangen Musizierens mit Peter Sagar von Homeshake, dessen schräge Akkorde und eiernde Synthies das Klangspektrum ganz natürlich ergänzen. Und so gelingt mit This Old Dog ein unaufgeregtes Meisterwerk, das Mac DeMarcos exponierte Stellung als einer der wichtigsten Songwriter unserer Zeit unterstreicht und sowohl Fans als auch Neuinteressierten noch lange viel Vergnügen auf höchstem Niveau bereiten wird.

Homeshake – Fresh Air (2017)

VÖ 3.2.2017 auf Captured Tracks / Sinderlyn
Namedropping: Prince, Toro y moi, Silk Rhodes
Passt gut zu: Verkaterten Nachmittagen im Bett mit optionalem Schäferstündchen

Als Gitarrist von Mac DeMarco bei einem Album hat Peter Sagar wahrscheinlich anteilig mehr Platten verkauft als in seiner ganzen Solokarriere zusammen. Das ist irgendwie verständlich, aber auch extrem schade. Denn die Musik von Homeshake ist nicht nur verspult bis visionär, sondern nach einer kurzen Eingewöhnungsphase auch wahnsinnig schön, entspannend und inspirierend. Nachdem Peter sich auf Midnight Snack (2015) mit den Freuden der nächtlichen Zwischenmahlzeit widmete, scheint beim neuen Album deutlich mehr Tageslicht durch die luftigen Gebilde aus R&B-Beats, verstreuten Gitarrenakkorden und ausgedehnten Melodiebögen.