Holiday Ghosts – West Bay Playroom (2019)

Mit Rollerblades auf die südenglische Strandpromenade: Holiday Ghosts aus Cornwall machen mit lässigem LoFi-Rock ’n‘ Roll ziemlich viel richtig.

Erschienen am 15. Februar 2019 auf PNKSLM Recordings.

Manchmal gibt es Tage und die dazugehörigen Platten, die einem auch mal den guten alten Texteinstieg mit Wetterbezug erlauben. Also: Draußen wehen Vorahnungen des Vorfrühlings durch die Straßen, das Wochenende naht und Holiday Ghosts aus dem Süden Englands drücken euch mit charmantem Lächeln die perfekte Platte dazu in die Hand. Wunderbar lässiger LoFi-Rock ’n‘ Roll, der geradezu nach Sonnenbrille und einem eiskalten Heineken schreit. Manchmal braucht es eben nur in Töne gegossene Attitüde, um ein Album zu einer runden Sache zu machen.

Ein kleiner Vorgeschmack auf YouTube: 

Dementsprechend wird man auf West Bay Playroom zwar ziemlich viel Spaß, aber keine wirklichen inhaltlichen Überraschungen finden – die musikalischen Vorbilder haben in dieser Hinsicht vielleicht aber auch einfach schon alles gesagt. Für tiefergehende Informationen wende man sich daher bitte an The Modern Lovers, Violent Femmes, The Pretty Things oder die diversen Projekte von Billy Childish. Soviel ist allerdings sicher: Die zweite Platte der vier Boys und Girls aus Cornwall klingt ganz bestimmt auch noch gut, wenn das Wetter wieder schlechter wird.

Das ganze Album auf Bandcamp:

 

Michael Rault: It’s a New Day Tonight (2018)

Bei Michael Rault passt einfach alles zusammen: Der Schnorres, der exzessive Einsatz von Fuzz und eine Salve von Ohrwürmern mit jeder Menge Sixties-Flair.

Michael Rault

Erschienen am 18. Mai 2018 bei Wick Records

Wick Records ist das neue Rockmusik-Sublabel von Daptone. Kenner der Landschaft können sich anhand dieser Information schon relativ konkret ausmalen, wie Platten aus diesem Hause wohl klingen. Schließlich hat sich die Plattenfirma aus New York mit einer unglaublich detaillierten Annäherung an die goldenen Zeiten der Soulmusik in wenigen Jahren einen ziemlich großen Namen gemacht. Mit Michael Rault gehört jetzt ein Künstler zur Familie, der sich mit krachendem Retro-Rock schon reichlich die Hörner abgestoßen hat. Auf seinem sechsten Album geht es hier und da zwar durchaus zur Sache, aber selbst bei den rasanteren Nummern steht nun eindeutig das Songwriting im Vordergrund.

Dabei gelingen ihm ein paar wirklich großartige Songs, allen voran der titelgebende It’s a New Day Tonight. Hier lassen natürlich eindeutig die Beatles grüßen: Michael Rault spielt Lennon und McCartney in einer Doppelrolle und für die Orchestrierung müsste sich auch ein Sir George Martin nicht schämen. Das muss man erst mal so hinkriegen, denn schon beim Covern von Songs der Fab Four merkt jeder Musiker, das sich das viel einfacher anhört als es tatsächlich ist. Gott sei Dank bleibt es aber nicht dabei, vor allem die ausreichend bissige Gitarre geht immer wieder ihren eigenen Weg. Und so gelingt Michael Rault ein extrem spielfreudiges Album, das einfach Spaß macht und sich perfekt für lange Autofahrten eignet.

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