Fooks Nihil – Fooks Nihil (2020)

Folk Rock / Indie Folk / West Coast

Die Sonne brennt herunter auf die Weinreben, da hinten glitzert das Wasser. Das Verdeck ist offen, der Fahrtwind trägt die ersten Klänge zu uns herüber. Wir stellen den alten Saab am Ende einer langen Autoschlange neben der Landstraße ab und laufen auf dem Seitenstreifen in Richtung der wild auf einer Wiese verteilten Zelte. Auf der Bühne stehen drei Typen mit Schlaghosen, flatternden Hemden und lange Haaren: Schlagzeug, Bass, Gitarre und dreistimmiger Gesang. Auch mit offenen Augen sind wir in einem Film über die goldenen Jahre der Westküsten-Musikszene. Die Zeit scheint vor etwa 50 Jahren stehen geblieben zu sein, hier beim Festival in Hamm am Rhein.

Konzert-Tipp: Fooks Nihil & Dux Louie – Sa 26.09.20 im Karlstorbahnhof Heidelberg

Das war 2018 und seither hatten Fooks Nihil genügend Zeit, ihre live damals schon extrem mitreißende Nostalgienummer auf Platte zu bannen. Jetzt ist das Debüt-Album da und Fans der Musik von damals werden nicht enttäuscht. Kennt ihr das auch, wenn ihr in einem ranzigen Plattenladen in der allerletzten Ecke eine Scheibe von einer völlig unbekannten Folk-Rock-Band aus den Siebzigern für drei Euro findet und die ist dann auch noch geil? Genauso fühlt sich das Debüt von Fooks Nihil an, und das ist ein verdammt gutes Gefühl. Denn solche Zufallsfunde aus der Vergangenheit sind seltener geworden, die Zeit der großen Entdeckungen in der Grabbelkiste ist vorbei. Umso schöner, dass es immer mehr jungen Bands wie Fooks Nihil gelingt, dem Sound von damals mit individueller Note und ohne Retro-Klischees neues Leben einzuhauchen.

Nebenan im Plattenregal:
Bonny Light Horseman – Bonny Light Horseman (2020)
Mapache – From Liberty Street (2020)
Loving – If I Am Only My Thoughts (2020)

BNQT – Volume 1 (2017)

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VÖ: 28.4.2017 auf Bella Union
Klingt fast ein bisschen wie: Traveling Wilburys, Jackson Browne, Wilco
Passt gut zu: Landstraße, Wochenende, Milchshake

Supergroups sind ja bekanntlich ein zweischneidiges Schwert. Oft verbirgt sich hinter solchen Projekten eine Gruppe von Stars nach ihrem Zenit, die sich mit vereinten Kräften, aber ohne wirkliche Inspiration gegen die Bedeutungslosigkeit wehren. Auf BNQT trifft nichts dergleichen zu, denn die Leadsinger von Midlake, Franz Ferdinand, Band of Horses, Grandaddy und Travis sind erstens unverdächtig was den Karriereknick angeht, haben zweitens ein extrem konzentriertes Album gemacht und nennen es drittens Volume 1, was auf eine längerfristige Zusammenarbeit hindeutet. Letzteres ist natürlich auch eine Verbeugung vor den Traveling Wilburys, die ihre Alben ebenfalls durchnummerierten und an deren Erfolgsrezept sich auch BNQT zu orientieren scheinen. Wo viele Songwriter und Sänger mitmischen, ist die Suche nach einem gemeinsamen Nenner nicht ganz einfach, weshalb es naheliegend ist, sich erst mal an der 70er Standardformel von Fleetwood Mac und Konsorten zu orientieren. Viel mehrstimmiger Gesang, ein bisschen entspannte Rockgitarre und ein Hauch von R&B-Groove, fertig ist die Laube. Selbst wenn jeder seinen Lieblingssong ein wenig in die eine oder andere Richtung drängt, bleibt die Konstruktion insgesamt stabil und wirkt nicht wie eine zufällige Ansammlung von B-Seiten der jeweiligen Bands. BNQT macht eher den Eindruck, dass alle Beteiligten endlich das machen dürfen, was sie schon lange machen wollten, ohne die gewachsenen Erwartungen erfüllen zu müssen. Jedenfalls haben sie ein Album aufgenommen, das mit den meisten Veröffentlichungen ihrer bisherigen Projekte locker mithalten kann. Und das ist für eine Supergroup ja erfahrungsgemäß ein Riesenerfolg.